Morton Rhue – Creature

20170305_144528Autor: Morton Rhue
Titel: Creature – Gefahr aus der Tiefe
Verlag: Ravensburger
Jahr: 2017
Seiten: 480
Preis: 17.-

HANDLUNG

Der Teenager Ismael wird von der beinahe unbewohnbaren Erde auf den Planeten Cretacea geschickt, um dort auf dem Meer gigantische Fische als Nahrung zu jagen. Er landet auf dem Schiff Pequod, dessen Kapitän Ahab von einem riesigen Terrafin  – einem stachelbewerten Ungetüm – besessen ist, für dessen Fang er sogar das Leben der Mannschaft aufs Spiel setzt.

KOMMENTAR

Wem in der Beschreibung des Inhalts einige Namen bekannt vorkamen, kriegt noch einige weitere geboten: ein Steuermann namens Starbuck und ein Teenager namens Quequeg, der zu Ismaels Freund wird, tauchen auch noch auf. Die übergeordnete Plotline, an der sich Morton Rhue bedient hat, ist also Herman Melvilles „Moby Dick“. Ich habe vergeblich darauf gewartet, dass nach dem anfänglichen Erkennen, dass Moby Dick eingearbeitet wurde, kreativ mit dem Intertext umgegangen wird: alles läuft nach Schema F und damit leider auch sehr voraussehbar ab. Ahab zieht die Jagd nach dem Terrafin durch, Ismael und einige andere gehen dabei fast drauf. Etwas Abwechslung bieten lediglich einige weibliche Figuren, die hinzukommen, um den modernen Geschmack oder zu befriedigen oder das Buch auch für eine weibliche Zielgruppe interessant zu machen, und der Umstand, dass das Buch aus Sicht des Lesers in der Zukunft spielt, in der Leute auf andere Planeten geschickt werden, um dort Geld zu verdienen und Lebensmittel für die Erde zu produzieren. Hinzu kommen Insulaner, die ein stereotyp einfaches, naturverbundenes Leben führen, aber gleichzeitig Medizin produzieren, die von anderen als Droge begehrt wird… und schon sind wir beim nächsten Klischee. Die Handlungseinschübe auf der Insel, Piratenangriffe und einige Informationshäppchen über Ismaels Leben auf der Erde in Rückblenden bringen gelegentlich etwas Spannung auf, aber leider nicht genügend, um mein Interesse am Buch durchgehend aufrecht zu erhalten, so dass für mich bei jeder Rückkehr auf die Pequod und bei den Jagdszenen neue langatmige Durststrecken vorhanden waren.

Dennoch kann man dem Roman zu Gute halten, dass er sich flüssig liest und man schnell wieder bei Szenen landet, die etwas mehr zu bieten haben als den Moby-Dick-Plot. Schade fand ich allerdings, dass Ismael und Co. sehr einfach aus allen schwierigen oder gefährlichen Situationen herauskommen, ohne dass sie selbst wirklich etwas selbst leisten müssen. Um nur ein Beispiel zu nennen: *SPOILER ALERT: BEIM NÄCHSTEN ABSATZ WEITERLESEN* Ismael und die anderen, die mit ihm auf der Jagd sind, gehen über Bord, aber alle werden dann von Piraten aufgegriffen. Klar, Piraten sind gefährlich, aber sie retten die Teenager eben vorläufig vor dem Ertrinken. *SPOILER ENDE*

Der Untertitel „Gefahr aus der Tiefe“ hat mich dazu veranlasst, zu denken, dass es um Tiefseekreaturen gehen könnte – aber weit gefehlt. Sämtliche Kreaturen, die gejagt werden, sind – ähnlich unseren Haien und Walen – eher in den oberen Wasserschichten unterwegs. Von einem Monster aus mehreren Meilen Tiefe also keine Spur. Den großen Terrafin fand ich genauso wenig besonders brutal oder erschreckend – ein Tier, das gejagt wird, wehrt sich eben.

Die groß angekündigte Umweltkatastrophe, die im Buch thematisiert wird – so jedenfalls wird es beworben – bleibt meiner Meinung nach aus. Die unbewohnbare Erde, deren letzte Bewohner an Rohstoffmangel, Wasserknappheit und Luftverschmutzung leiden, bildet nur einen sehr kleinen Teil des Handlungsrahmens – fast nur eine Randnotiz. Ich hatte eher den Eindruck, dass der Rahmen des Buchs eher als Dystopie angelegt wurde, als als Umweltroman, aber auch die Dystopie hätte ausführlicher ausgestaltet sein müssen, um dem Leser etwas handfestes zu bieten. Dadurch, dass das ausblieb, war für mich die Auflösung der Story in den letzten Kapiteln eher ein nachgeschobener Einfall als ein wirklich gut durchdachter Abschluss.

FAZIT

3 von 5 Sternen. Zu lange spannungsfreie Stellen und zu wenig kreativer Umgang mit „Moby Dick“.

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