Buchrezension: Die Zelle

20160207_102945Die Zelle
Jonas Winner
2016
Knaur
ca. 330 Seiten
9,99 €

Vielen Dank an Jonas Winner, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

Mehr zum Autor: jonaswinner.com

HANDLUNG

Der elfjährige Sam zieht mit seiner Familie in eine Villa im Berliner Viertel Grunewald. Im Luftschutzbunker, den er auf dem Grundstück entdeckt, macht er eine schaurige Entdeckung: in einer Zelle ist ein Mädchen eingesperrt. Bald darauf meint Sam, das Mädchen im Zimmer seines Vaters wiedergesehen zu haben – und aus der Zelle ist sie verschwunden. Die Erwachsenen, einschließlich Polizei, glauben Sam nicht. Sams Vater – für den Jungen der Hauptverdächtige – erklärt ihn praktisch für verrückt und drängt ihn, Tabletten zu nehmen, damit er sich ungestört seinen unheimlichen musikalischen Kompositionen widmen kann…

ZITAT

„Du bist ein Arschloch, Sam! Weil dein Kopf nicht funktioniert, weil in deinem Gehirn Würmer aasen, weil in deinen Augen Schlangen speisen, schlägst du um dich. Sie können nichts dafür. Du bist es, der verrückt ist. Du bist es, der sich Yoki ausgedacht hat. Du willst sie dort unten haben, deshalb hast du davon angefangen.“ (S. 267)

KOMMENTAR

„Die Zelle“ bietet eine gut gelungene Mischung aus unzuverlässigem Erzählen, kindlicher Verwirrung und Psychospielchen von Erwachsenen, denen der Ich-Erzähler Sam ausgesetzt ist, während die Geschichte ihren Lauf nimmt. Auf tempo- und ereignisreiche Kapitel folgen solche, in denen Sam über das, was ihm geschieht, und das merkwürdige Verhalten der Personen um sich herum grübelt, während er an seinem Verstand zu zweifeln beginnt. Außerdem haben mich einige Stellen an „The Shining“ oder an japanischen Horror erinnert, als Sam schließlich das Haus selbst im Verdacht hat, böse zu sein bzw. seine Bewohner böse werden zu lassen.

Während der erste Teil sich auf Sam und seine Familie konzentriert, kommen im zweiten Teil die Polizei und weitere Figuren hinzu, so dass neue Handlungsimpulse von außen einfließen und Sam zunehmend das Gefühl bekommt, er habe seine Lage nicht mehr unter Kontrolle.

Das Buch liest sich spannend und flüssig, und ich habe auch große Teile am Stück gelesen, wenn ich es erst einmal zur Hand genommen habe. Was mir weniger gefallen hat bzw. für mich nicht ganz gepasst hat, war der Sprachstil mit detaillierten Beschreibungen von Sinneseindrücken, der viel zu erwachsen für einen elfjährigen Erzähler war, auch wenn man am Schluss erfährt, dass Sam rückblickend die Geschehnisse aufgeschrieben hat.

Whodunnit?! Wer hat das Mädchen, das Sam Yoki nennt, in der Zelle eingesperrt? Wer hat sie verschwinden lassen? Dazu müsst ihr euch eine eigene Meinung bilden, denn eine eindeutige Antwort gibt das Buch nicht. Dadurch und durch die Hinzunahme weiterer Quellen im Epilog, die Sams Erzählung in ein anderes Licht rücken, gelingt Jonas Winner ein raffiniertes Ende.

Sterne 4

 

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