Kurzkritik: Krieg der Affen

20151222_145043von Richard Kurtis
dtv (Reihe Hanser)
Sept. 2015
ca. 480 Seiten
ca. 15 €INHALT
Mico und Papina sich Affen verschiedener Arten: Micos Stamm der Lemuren um den gnadenlosen Anführer Tyrell will die Oberherrschaft über die anderen Affenarten gewinnen, während Papina und die anderen Rhesusaffen um ihr Überleben kämpfen. Mico klettert in den Militärrängen unter Tyrell nach oben, während er heimlich daran arbeitet, den Diktator zu stürzen und die Affenvölker miteinander zu versöhnen.

KOMMENTAR
Wer auf Unterhaltung à la „Planet of the Apes“ hofft, wird schon mal enttäuscht. Die Affen werden so gnadenlos vermenschtlicht, dass ihnen so gut wie nichts mehr affenartiges bleibt, während beim „Planet of the Apes“ ja viel Wert darauf gelegt wird, die Andersartigkeit einer anders denkenden und lebenden Spezies zu beschreiben. Das Buch von Pierre Boulle kann ich an dieser Stelle übrigens sehr empfehlen – meinetwegen auch den Film mit Charlton Heston, wen jemand sich mehrere Stunden lang diese chauvinistische Person antun möchte.

Zurück zum Buch: Tyrell = Tyrann, dazu seine absolute Austauschbarkeit mit Hitler, Stalin, Franco… Die sich bekriegenden Völker, von denen eines alle anderen auslöschen will und dabei über Leichen geht, um Land zuerobern… Die Liste der Vergleiche zum 2. WK und so ziemlich jedem anderen faschistischen oder kommunistischen Regime könnte ich noch weiter fortsetzen. Während für jüngere Leser das Buch vermutlich seine beabsichtigte Wirkung – die Reflexion über das eigenen Verhalten und die häufigeIdiotie menschlichen Handelns – erreicht wird, sind für den erwachsenen Leser viele Vergleiche so offensichtlich und platt angelegt und ausgeführt, dass schon bald nichts mehr an der Handlung überraschend ist.

Es kommt, wie es kommen muss – Mico und Papina verlieben sich ineinander. Während eine gemischtrassige (haha…) Beziehung bei Menschen ja durchaus vorkommt, ist dies in der Natur eher unwahrscheinlich, da die meisten Spezies sich an extrem spezifischen Merkmalen bei der Partnersuche orientieren. Und Affen sind nunmal keine domestizierte Hunde, die alles bespringen, was lange genug stillsteht.

Wer nicht allzu kritisch bei den hinkenden Vergleichen und der ziemlich vorhersehbaren Plotline ist, kann sich dennoch unterhalten fühlen. Allerdings bezweifle ich, dass der/die durchschnittliche 16jährige Leser/in (so die Altersempfehlung des Verlages) sich noch sehr an dem Buch erfreut. Ich wäre mir mit 16 jedenfalls ziemlich von so vielen Löchern im Plot und in der Logik verarscht vorgekommen. Der Hype, der um „Krieg der Affen“ veranstaltet worden ist, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Müde 3 Sternchen.

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