Das schlechteste Buch des Jahres

Trommelwirbel! Und der Preis geht an:

Absurde Menschheit oder Was Voyager eigentlich über die Menschheit hätte berichten sollen
Gard Meneberg
Artegenium Verlag
Broschiert 15,50€
2015

INHALT

Eine Betrachtung der Menschheit, die angeblich sowohl für Erdenbewohner wie Außerirdische humorvoll und informativ sein soll.

KOMMENTAR

Das Buch beginnt mit jeder Menge Allgemeinplätze, die jedem Menschen, der rudimentäre Schulbildung erhalten hat, als Allgemeinwissen bekannt sein sollte. Munter werden Dinge durchgekaut, die weder informativ, noch neu, noch mit neuer Sichtweise aufbereitet sind, dazu auch noch vermischt mit der wiederholten Beteuerung des Autors, er würde dies mit Humor meinen. Liebe Leserinnen und Leser, an dieser Stelle kann ich eure schmerzverzerrten Gesichter vor meinem inneren Auge sehen! Ging mir nämlich auch so. Entweder etwas ist witzig, oder es ist nicht witzig. Dadurch, dass aber krampfhaft behauptet wird, etwas sei witzig zu verstehen, erreicht man diesen Zweck mit Sicherheit nicht.

Auch im weiteren Verlauf des Buches bin ich nicht auf Amüsantes gestoßen. Im Gegenteil.

Nehmen wir als Beispiel das Thema Religion, das mehrfach im Buch erscheint: die Behauptung des Autors Meneberg, der Gott einer Spinne sei eine Spinne, also ein Hinweis auf die Ebenbildlichkeit zwischen Verehrtem und Verehrenden, trifft auf die wenigsten Religionen überhaupt zu. Es gibt in der Menschheitsgeschichte genügend Tierwesen oder Mischwesen aus menschlicher und tierischer Gestalt, die als Götter verehrt werden. Weiterhin falsch ist die Behauptung, aus Polytheismus folge der Monotheismus. Warum gibt es dann so viele Religionen, die nach wie vor verschiedene Gottheiten verehren? Und was ist mit den Religionen, die im Unterschied zu westlichen Religionen wie Christentum und Islam von vorneherein überhaupt kein vergleichbares Konzept von göttlichen Wesen haben, wie die nordamerikanischen Religionen, die der Natur innewohnende Geister verehren, oder der Buddhismus?

Dem Autor fehlt meiner Ansicht nach deutlich das Gespür dafür, dass Dinge nicht so sehr reduziert werden dürfen, dass sie faktisch falsch dargestellt werden, aber genau das tut er in so gut wie jedem einzelnen Kapitel, während die Menschheit fröhlich über einen Kamm geschert wird, ohne kulturelle Unterschiede überhaupt wahrzunehmen.

Was für mich aber dem Fass den Boden herausgeschlagen hat, war die implizite Meinung des Autors, dass anscheinend nur Männer beim Sex Lust empfinden, ehe Frauen wenige Sätze später als „Austrägerin“ betitelt und anhand ihrer biologischen Funktion degradiert werden. Danke dafür! Und willkommen im Mittelalter.

An genau dieser Stelle war der Autor bei der Leserunde in Lovelybooks auch der Meinung, die beleidigte Leberwurst spielen zu müssen, weil es doch tatsächlich einen Menschen gibt, der sich daran stört, dass in einem Absatz über Sex die maskulinen Singularpronomen und Bezüge auf „die höchste Wonne“ des Mannes überwiegen, während vom weiblichen Orgasmus nirgendwo die Rede ist.

TJA…

Ich habe mir somit erlaubt, dieses Machwerk nicht zu Ende gelesen, O-Ton des Autors: ich müsse mich ja nicht weiter „durchquälen“. Nö. Hatte ich sowieso nicht vor. Nach Seite 112 (bewundert mich bitte dafür, dass ich überhaupt so weit gelesen habe) wurde das Buch in die Papiertonne entsorgt. Als umweltbewusste Person achtet frau ja schließlich auf Mülltrennung.

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3 Gedanken zu „Das schlechteste Buch des Jahres

  1. Es ist kaum zu glauben, aber ich habe es tatsächlich geschafft, das Buch ganz zu lesen. Wobei ich aber dem vorgenannten Beitrag aber dennoch nur zustimmen kann, denn es wurde nicht besser.

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  2. He, du kannst nicht einfach ein Buch wegwerfen, das noch gesund ist! Es gibt Tauschregale, das Buch kann doch nix für seinen Inhalt. Mir ist grad schleierhaft, worum sich das Buch eigentlich dreht???

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  3. Glaub mir, ein Buch mit solch nichtssagendem Inhalt (der Autor tut so, als ob er die Erde für Außerirdische erklärt…) lässt sich spielend leicht entsorgen. Bis zum nächsten Laden mit Tauschkiste in der Innenstadt trag ich so was sicher nicht, ganz zu schweigen davon, dass ich die Lektüre niemandem sonst zumuten möchte. Den einen Librizid pro Jahr kann ich mir mit wirklich gutem Gewissen verzeihen.

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