Rezension: Mitternachtsrot

20150823_073248Mitternachtsrot. Eine Erzählung aus Dschanor
Bianca M. Riescher
Verlag ohneohren
2015
7,49 €

ISBN 978-3-903006-31-7 (mobi)

INHALT

Lisaan ist eine emanzipierte, mutige Kämpferin, die sich Liebhaber nimmt, wie es ihr gefällt, und vor keinem Gegner zurückschreckt. Als eine Söldnergruppe auf sie angesetzt wird, gerät sie in die Gefangenschaft von Tareq, der keinen Hehl daraus macht, dass ihre Aufmüpfigkeit ihn amüsiert und er sie begehrt. Im Auftrag ihrer Götter werden sie auf eine gefährliche Mission durch das Land Dschanor geschickt, was ihre Zukunft für immer ändern wird.

KOMMENTAR

In diesem Fantasy-Roman gibt es zunächst einmal einige Widersprüchlichkeiten, durch die die Handlung vorangebracht wird. Lisaan gerät überhaupt nur in Tareqs Gefangenschaft, da sie, anstatt ihren Schützlingen, denen sie zu fliehen befiehlt, zu folgen, sich in den Kampf mit zehn seiner Männer stürzt. Man sollte doch meinen, dass eine Person, die eine Kampfausbildung hat und andere Leute ausbildet, die oberste Regel kennt: nämlich, sich nie auf einen übermächtigen Gegner einlassen, sondern sich zurückzuziehen. Die weitere Ungereihmtheit stellt Tareq selbst dar: einerseits will er Lisaan als Sklavin behalten und überlegt laut, sie seinen Männern zur Vergewaltigung zu überlassen, andererseits behauptet er selbst, es widerstrebe ihm, Frauen zu vergewaltigen. Da sollte jemand dringend seine moralischen Werte überprüfen, meint ihr nicht auch?

Zwar wird schnell absehbar, dass das ungleiche Paar sich miteinander arrangieren muss, um den göttlichen Auftrag ausführen zu können und dabei mit heiler Haut davonzukommen, allerdings gibt es durch das göttliche Eingreifen auch einige Wendungen in der Geschichte, die schnell über die aufkeimende Romanze hinwegsehen lassen. Somit steht also dem Fantasyabenteuer nichts mehr im Weg. Geboten wird einiges, was Rollenspieler(inne)n bekannt vorkommt und manches Schmunzeln entlockt: Kämpfe, Übernachtungen in diversen Wirtshäusern, Streifzüge durch Stadt und Land des jeweiligen Partners, so dass mal die eine, dann der andere die Oberhand hat.

Die Erklärung, was es mit dem „Mitternachtsrot“ nun auf sich hat, wird relativ spät geliefert. (No spoilers!) Normalerweise bin ich nicht der allergrößte Fan davon, wenn ein Titel erst gegen Ende des Buches verständlich wird. Bianca M. Riescher verbindet die Erklärung allerdings damit, dass Tareqs Charakter vielschichtiger wird, und nimmt die Erklärung als Anlass für eine erneute und für Lisaan folgenreiche Handlungswendung.

Das Ende des Buches ist in mehrerlei Hinsicht offen gestaltet, sowohl was die Schicksale von Lisaan und Tareq, ihre Beziehung, die durch räumliche Trennung erschwert wird, und eine mögliche Fortsetzung des Abenteuers angeht. In diesem Fall kann ich mir sogar vorstellen, eine Fortsetzung tatsächlich zu lesen, weil ich doch neugierig darauf bin, wie es weitergehen könnte und ob beide wieder zusammenfinden.

FAZIT

Wer endlich mal wieder deutschsprachige Fantasy mit einer starken weiblichen Hauptfigur statt eines Betthäschens, das nur die männlichen Leserfantasien befriedigt, lesen möchte, ist hier fündig geworden.

Sterne 4,5

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