Rezension: Das Apfelkuchenwunder

20150822_122243„Das Apfelkuchenwunder oder Die Logik des Verschwindens“
von Sarah Moore Fitzgerald

DAV Der Audio Verlag
3 CDs, 3h57
14,99€
ISBN 978-3-86231-600-7

INHALT

Meg zieht mit ihren Eltern für ein halbes Jahr nach Neuseeland. Während ihrer Abwesenheit verschwindet ihr bester Freund Oskar, der für jeden ein gutes Wort hat und stets Apfelkuchen bereithält, um Menschen in Zwangslagen beizustehen. Meg zweifelt daran, dass Oskar tatsächlich Selbstmord begangen haben könnte. Sie glaubt, dass Paloma, die in Megs Elternhaus zur Zwischenmiete wohnt und nun vorgibt, sie sei Oskars beste Freundin gewesen, ein falsches Spiel mit Oskar getrieben hat. Nach und nach stellt sich tatsächlich heraus, dass Paloma systematisch Lügen über Oskar unter den Mitschülern verbreitet hat, während sie sich gleichzeitig bei ihm einschmeichelte.

KOMMENTAR

Das achronologisches Erzählen, die Perspektivenwechsel zwischen den Hauptfiguren und deren emotionale Reife sind zunächst einmal eine angenehme Überraschung, wenn man bedenkt, dass das „Apfelkuchenwunder“ mit dem Hinweis „ab 11 Jahren“ versehen ist.

Intrigantin Paloma führt vor, wie planvoll Mobbing auf höchsten Niveau funktioniert: ein Opfer suchen, sich als Freundin hinstellen, die angeblich als einzige die Wahrheit zu einem sagt, und es immer nur gut meint. Mit allen anderen Mitschülern einzeln reden, zunächst kleine Unwahrheiten unterschummeln, dann immer größere, bis alle in der Klasse mitmachen und sich gegen das Opfer verschwören – denn wenn alle von etwas wissen, muss es ja wahr sein. An dieser Stelle hat sich mir dann doch gezeigt, wie unglaublich naiv Oskar ist, auch wenn er sich bei anderen Gelegenheiten schon überlegter zeigen kann, etwa, als er einen Mann davon abbringt, sich das Leben zu nehmen. Ob der Selbstmordversuch nun wirklich durch das „Apfelkuchenwunder“ allein verhindert wurde, oder ob es nicht vielmehr daran lag, dass Oskar mit dem Mann gesprochen hat, zeigt für mich dann doch die Grenze der Möglichkeiten eines Jugendbuches auf, das ein Stück weit realitätsfern bleibt.

Am Ende der Geschichte fand ich es zwar gut, dass Oskar Paloma konfrontiert, allerdings hat für mich gefehlt, dass sie einsichtig wird, oder dass sich die anderen Schüler von ihr abwenden – oder eigentlich die einzig akzeptable Konsequenz: dass sie von der Schule verwiesen wird. So, wie der Schluss des Hörbuchs mit Paloma verfahren ist, impliziert für mich, dass nach Meinung der Autorin Mobber und Bullys ungestraft davonkommen dürfen und dass das vollkommen in Ordnung sei.

Die Sprecherstimmen waren für meinen Geschmack okay, soll heißen, ja, man hört, dass es Erwachsenenstimmen sind, aber realistisch gesehen ist es wohl auch zu erwarten, dass für eine Vertonung erwachsene Schauspieler engagiert werden. Megs Stimme war anfangs etwas nervig, aber man gewöhnt sich daran.

Insgesamt hat mir das Hörbuch sehr gefallen, da es Komplikationen und Wendungen in der Handlung gab, und vieles nicht so war, wie es den Anschein hatte.

Sterne 4

 

 

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