Rezension: Vergoogelt!

20150810_085638„Vergoogelt!“
von Julia K. Stein
Gmeiner Verlag
Taschenbuch: 373 S., 12,99€ (D)

INHALT

Lena ist eine junge Bloggerin, die ihr Hobby so erfolgreich gemeistert hat, dass sie nun davon leben kann. Ihr Freund Björn hat leider wenig Verständnis dafür, dass sie ständig an Handy oder PC klebt. Der Ex, dem Lena Geld geliehen hat, und der nun nicht zurückzahlen will, bringt Lena in finanzielle Schwierigkeiten. Und dann ist da noch der sexy Bloggerkollege David, der ihr privaten Yoga-Unterricht gibt…

KOMMENTAR

Die Hauptfigur Lena ist eine Person, die einerseits darum bemüht ist, ihr Hobby Bloggen so zu erweitern, dass sie davon leben kann und deshalb eifrig Neues ausprobiert, recherchiert, Kontakte knüpft, um erfolgreich zu sein. Die Untiefen von Internet und Social Media sind ihre Heimat, allerdings verliert sie ihr reales Leben, so chaotisch es auch sein mag, nicht aus den Augen, auch wenn ihr Freund Björn ihren exzessiven Medienkonsum anders beurteilt und ihr ständig Vorwürfe macht.

Nun zu dem Grund, warum ich bis an den Ende des Buches nicht mit der Protagonistin warm geworden bin: Einerseits ist Lena ziemlich naiv und vertrauensseelig, ihrem Ex einen riesigen Geldbetrag zu leihen, den er wohl nie zurückzahlen wird. Andererseits beurteilt sie die Menschen in ihrer Umgebung nach Klischees oder, wie ihm Fall der neuen Partnerin ihres Vaters, nach dem rassistischen Vorurteil über junge Asiatinnen, die sich europäische Männer angeln wollen.

Bei einem Freund wie Björn, der kein Verständnis für Lenas jobbedingtes Online-sein hat, ist es anfangs äußerst gut nachvollziehbar, warum es zwischen beiden kriselt. Erst sein Engagement für ein Hockey-Projekt mit Jugendlichen, um die sich die Eltern nicht kümmern, macht ihn sympathisch — und dann ruiniert das nächste Kapitel, in dem er sich wieder unmöglich aufführt, den Eindruck wieder.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich noch nie zuvor ein Buch gelesen habe, in dem mir durch die Bank alle Hauptfiguren so unsympathisch waren, dass ich seitenweise nur den Kopf schütteln konnte, wie es solche Menschen überhaupt miteinander aushalten können. Was für mich den Roman gerettet hat, war zum einen das versöhnliche Ende, zum anderen die Nebenfiguren: Björns Schwester Isabel, die vloggt und Lena unterstützt; der Kumpel Schorsch, der kein Problem hat, wenn ein Mann mit ihm flirtet, der aber Tomaten auf den Augen hat und nicht merkt, dass eine langjährige Freundin in ihn verknallt ist; der bloggende Rollstuhlfahrer Paul, der Lena zeigt, dass es im Internet auch noch nette Menschen gibt…

Was gibt es sonst noch zu sagen? „Vergoogelt“ ist angenehm und flüssig zu lesen; die Ereignisse werden in raschem Tempo von Autorin Julia K. Stein geschildert, so dass es keine Durststrecken gibt, und die für ChicLit obligatorische Prise Humor muss frau auch nicht vermissen.

Was ich ein kritisch sehe, sind die anfangs massenhaft eingestreuten Referenzen auf Internetsternchen, Blogs und Youtube-Kanäle, von denen einige meinem Eindruck nach doch eher begrenzten Bekanntheitsgrad haben, und zudem in ein paar Monaten völlig überholt sein dürften. Vom Lesepublikum wird also erwartet, dass es internetkompetent ist und sich annähernd so häufig wie die Protagonistin online herumtreibt, um die ganzen Anspielungen überhaupt zu verstehen. Insgesamt gibt’s von mir 3,5 Sternchen.

Sterne 3,5
Urspr. einzelne Sternchen: KBolino /commons.wikimedia.org

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2 Gedanken zu „Rezension: Vergoogelt!

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